home mail print index imprint

13.09.2006

Was sagst Du dazu?

Sascha Tamm, Institut für Unternehmerische Freiheit

Gefunden in einem in Berlin verwendeten Schullehrbuch für Viertklässler (Das Zahlenbuch 4, Ernst Klett Grundschulverlag, S. 106), das eigentlich der Mathematik gewidmet ist: Unter der Überschrift „Brotversorgung" steht unter einigen Zahlen zum Getreideanbau und neben ein paar Rechenaufgaben die Frage: 2004 kostete ein Brötchen 40 ct. Für den Weizenanteil erhielt der Bauer weniger als 2 ct. Was sagst Du dazu?  

 

Man kann sicher sein, welche Antwort ein durchschnittlicher deutscher Lehrer hören will und den Kindern vermittelt: Das ist viel zu wenig und ungerecht. Das liegt daran, so wird er weiter vermitteln, dass in der kapitalistischen Wirtschaft die Kapitalisten und vor allem die Händler sich auf Kosten derjenigen, die wirklich Werte schaffen und zu Lasten der Natur bereichern. Natürlich wird nicht darüber gesprochen, wie viel für die anderen Bestandteile des Brötchens, für das Mahlen, das Backen, den Transport usw. gezahlt wird. Schon gar nicht werden die Subventionen erwähnt, die der Bauer oben draufgelegt bekommt - obwohl diese sich ja trefflich „moralisch" rechtfertigen lassen.  

 

Abgesehen davon, dass diese Art von plumper Indoktrination sich an Peinlichkeit kaum überbieten lässt, ist sie in doppelter Hinsicht bedrohlich: Erstens werden die Schüler davon abgehalten, rechnen zu lernen, wenn sie sich, anstatt zu üben, mit Gesinnungsfragen beschäftigen müssen.  

 

Zweitens werden sie zu ökonomischen Analphabeten erzogen. Wenn das dazu führt, dass sie sich für den so genannten Fair Trade (als Gegensatz zum Free Trade verstanden) engagieren, ist das schlimm genug, schadet jedoch vor allem den Menschen in den Entwicklungsländern. Das Unverständnis für einfache Prozesse der Marktwirtschaft und ihre daraus entstehende pseudomoralische Ablehnung, eingepflanzt in die Köpfe von Kindern, sind aber vor allem eine Gefahr für die Basis von Wohlstand und friedlichem Zusammenleben - für Eigentum, Wettbewerb und freies Unternehmertum. So zerstören die Moralisten, dass was sie zu verteidigen vorgeben - unsere Lebensgrundlagen.  

 

Es bleibt eine traurige Hoffnung: Vielleicht sind die deutschen Schulen bei der Vermittlung derartigen Unsinns genauso erfolglos wie beim Lesen, Schreiben und Rechnen.  

 

Autor:  

 

  • Sascha Tamm, Institut für Unternehmerische Freiheit

 

Der IUF comment erscheint regelmäßig als Stimme der Freiheit. Über Kommentare zum Kommentar freuen wir uns! Gern können Sie den comment an Interessierte weiterleiten.  

 

SPONSORING
NEWSLETTER

Ja, ich möchte aktuelle Meldungen vom Institut für Unternehmerische Freiheit:

ZITATE

Voltaire (1764)

"Votre volonté n´est pas libre, mais vos actions ce sont. Vous êtes libre de faire quand vous le pouvoir de faire."

Stipendien für begabte Leute
iuf top