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Es lebe die internationale Solidarität!

Roland Gast

Manche Leute haben es sich auf die Fahnen geschrieben, Afrika vor der Globalisierung retten zu wollen. Doch Afrikas Problem ist, dass es an die Weltwirtschaft eben nicht angeschlossen ist. Natürlich liegt die Welt nicht in Zuckerwatte gebettet. Aber mit etwas Geschick kann ein Land mit Hilfe der Globalisierung versuchen, was China geschafft hat. Dort sind in den letzten zwanzig Jahren Hunderte Millionen Menschen aus der Armut heraus gekommen. China bekommt eine Mittelklasse.

 

Mittelklasse, das ist - ganz grob - dieses viel besungene Stück Gesellschaft zwischen denen, die nicht mehr arbeiten müssen, und jenen, die fast nicht genug arbeiten können, um ohne Not zu leben. Wer ihr angehört, will in aller Regel, dass für alle klar verbindliche Regeln gelten, Frieden herrscht und seine Leistung etwas zählt. Anders als die Superreichen kann er den Staat ja nicht einfach wechseln oder springen lassen - und anders als die Armen hängt er nicht vom Wohlwollen populistischer Politiker ab. Kurzum: Rechtsstaat und Demokratie funktionieren ohne Mittelklasse einfach nicht.  

 

Deswegen ist es so wichtig, den Bürgern jener Länder, die sich aus vielen Armen und wenigen Reichen zusammensetzen, Gelegenheit zu geben, selbst Mittelklässler zu werden. Dabei ist der beste Weg, es jedem Menschen dieser Erde zu erlauben, überall seine Arbeitskraft gegen Geld anzubieten.  

 

Für einige wenige Glückliche ist das bereits möglich. Wer als EU-Ausländer in Europa einen Job findet, kann genug Geld verdienen, um bald zur Mittelklasse zu gehören. Diese Form von Wirtschaftshilfe ist rein zahlenmäßig ebenso wichtig wie die offizielle Entwicklungshilfe. Wer solche Menschen anstellt, der unterstützt nicht irgendein Prestigeprojekt, das am Ende doch nur der NGO nutzt, die es sich ausgedacht hat. Wer in Europa Arbeit findet, kann seine Geschwister daheim auf die Schule schicken, Startkapital für ein Geschäft sammeln oder zu hause ein Haus bauen lassen. Das alles lässt mehr Mittelklasse entstehen.  

 

Man stelle sich vor, wie viel besser es wäre, dürfte jeder dorthin reisen, wo er Arbeit findet.  

 

Sicher, die Welt ist groß. Und es gibt so etwas wie organisiertes Verbrechen und Terrorismus. Aber Waffen-, Menschen- und Drogenschmuggel sind Geschäfte mit Milliarden-Umsätzen. Terroristen sind rational nicht mehr erreichbare Fanatiker. Wer behauptet, solche Leute mit einem Visum aufhalten zu können, der glaubt bestimmt noch an den Weihnachtsmann.  

 

Sicher, dann würden Millionen Menschen anfangen, umher zu strömen, und die müssten sich neu integrieren. Damit haben wir in Europa ja nicht immer die besten Erfahrungen, werden viele sagen. Nur schaut man einmal über den Atlantik, sieht das ganz anders aus. Integration ist in den USA viel weniger ein Problem als hier. Und hat das nichts, gar nichts damit zu tun, dass man in den USA nach drei, vier Jahren sein eigenes Auto und seinen Job hat, in Europa aber immer noch den Therapeuten und die Sozialwohnung? Das europäische Modell des Wohlfahrtsstaates könnte durchaus in die Krise geraten, wenn die halbe Welt Sozialleistungen gegen Nichtstun in Anspruch nehmen könnte. Aber wegen der Alterung unserer Gesellschaften ist die Idee sowieso bald pleite. Warum sie also nicht jetzt ändern?  

 

Und natürlich: Was wird dann aus den hier Ausgebildeten, die sich billiger Konkurrenz direkt nebenan ausgesetzt sehen! Die Verbände der Juristen, der Ärzte und Apotheker, der Handwerker und die Gesamtheit der Gewerkschaften denken bestimmt mit Grauen daran. Doch wer in Deutschland lebt und arbeitet, wird wohl auch mehr oder weniger hier üblichen Lohn für seine Arbeit verlangen. Die Welt wäre sicher anders, könnten wir alle überall arbeiten. Es gäbe auch Verlierer. Aber weitaus mehr Gewinner. Von der Effizienz, die diese Freiheit bringt, profitieren alle Wirtschaftsteilnehmer. So hatte man ja auch den europäischen Binnenmarkt oder die EU-Osterweiterung kritisiert. Doch haben beide dafür gesorgt, dass es Europa viel besser geht. Exportländer leben genau von solchen Erfolgen.  

 

Aber mal ganz davon abgesehen: Kann der Stundenlohn eines deutschen Apothekers ein Argument sein, die allermeisten moldawischen Apotheker zu einem Leben in Korruption und Chancenlosigkeit zu verdammen? Ist der sicher menschliche Impuls, den Rest der Welt nicht an die Fleischtöpfe lassen zu wollen, wichtig genug, um tausender Afrikaner im Mittelmeer jämmerlich ersaufen zu lassen?  

 

Es ist an der Zeit, die oft besprochene Solidarität walten zu lassen, von der manche gar nicht genug reden können.  

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Friedrich August von Hayek (1899-1992)

"Perhaps the fact that we have seen millions voting themselves into complete dependence on a tyrant has made our generation understand that to choose one's government is not necessarily to secure freedom"

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