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28.02.2007

Politikermärchen - IUF Kommentar 06/2007

Gastkommentar - Dr. Susanne Schmidt

Mal wieder haben die deutschen Politiker einen Anlass gefunden, sich zu kümmern: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfen nicht unter den Fehlern des Managements leiden." Es geht um die Mitteilung der EADS-Führung, im fünfstelligen Bereich Arbeitsplätze abzubauen, um den Flug- und Rüstungskonzern wieder auf Erfolgskurs zu trimmen. Doch wer trägt tatsächlich die Verantwortung? Bei Unternehmen, die nicht eigentümergeführt, sondern von einem externen Management gesteuert werden, liegt zunächst die Frage nahe, wer dieses eingestellt hat. Der Aufsichtsrat, besetzt mit namhaften Persönlichkeiten und den Eigentümern entscheidet über die Besetzung des gesamten Vorstands. Nicht nur der Vorstandsvorsitzende - oder wie hier die Vorstandsvorsitzenden -, sondern auch die übrigen Spitzenmanager der Organisation unterwerfen sich intensiver Durchleuchtung. Besonders bei EADS gab es hier in den vergangenen Jahren verwirrende und schnelle Entwicklungen, was darauf schließen lässt, dass die Eigentümergemeinschaft bei der Auswahl entweder nicht sehr gründlich war oder die falschen Kriterien angelegt hat. Diese bleiben ohnehin im Dunkeln und auch die Gewerkschaften, die bei deutschen Aktiengesellschaften im Aufsichtsrat mit über den Spitzenmann entscheiden - Frauen werden in Deutschland auf diese Funktionen in der Regel nicht berufen - halten sich bedeckt ob ihrer Mitwirkung an personellen Fehlentscheidungen beim Top Management. Wenn nun ein Fehler bei der Besetzung des Managements unterläuft, in der Folge Arbeitsplätze abgebaut werden müssen und rechtschaffene Menschen ihren Broterwerb verlieren, ist dies unerfreulich, in manchen Fällen auch tragisch. Aber es ist nicht wünschenswert, das zu verhindern. Wenn Unternehmen aufgrund falscher strategischer Entscheidungen, operativer Nachlässigkeit oder Veränderungen der Märkte nicht mehr wettbewerbsfähig sind, müssen Bereinigungen stattfinden. In einer wissensbasierten Wirtschaft, wo das Humankapital der zentrale Erfolgs- aber auch Kostenfaktor ist, wird notgedrungen zunächst hier angesetzt, um die finanzielle Situation und damit die Zukunftsaussichten zu verbessern. Würde man diese Bereinigung verhindern, wäre die vollständige Insolvenz vorhersehbar. Das Märchen, man könne Unternehmen retten, ohne ihre Kostenstruktur zu bereinigen, wird nur noch in den Medien geglaubt. Die Fehler werden bei der Auswahl der Manager gemacht. Und diese hängt besonders in politisch beeinflussten Bereichen weniger von objektivierbaren Fähigkeiten als mehr von politischen Einstellungen und Machtverhältnissen ab. Das Märchen von den verlorenen Arbeitsplätzen aufgrund der Fehler des Managements soll vor allem von der eigenen Verantwortung ablenken, die insbesondere Politiker bei der Bestellung von Vorständen tragen.
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