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16.04.2007

Klimaschutz: Tausche Wahrheit gegen Macht

Gastkommentar - J.P. Peron

Der Pseudodokumentarfilm von Al Gore, Eine unbequeme Wahrheit (An Inconvenient Truth), behauptet ganz fürchterliche Dinge. Aber es ist gar noch nicht lange her, dass Al Gore zugegeben hat, Übertreibung sei ein legitimes Mittel, um politische Macht über etwas zu bekommen.

Jetzt verlangt noch ein großer Wärmeprophet, Mike Hulme von der University of East Anglia, dass wir eine neue Form der Wissenschaft benutzen, um das ganze zu verstehen. Das nennt er „post-normale" Forschung („post-normal science"). Sie erlaubt ihm und seinen Verbündeten, „(normale) Wahrheit gegen Einfluss zu tauschen".  

 

Das Problem, das Hulme mit normaler Forschung hat, besteht in folgendem: „Eine ganz selbstverständlich gefährliche Veränderung wird sich nicht aus der normalen, wissenschaftlichen Wahrheitssuche entwickeln...." Wenn er also nicht die gewünschte Panik mit exakter Wissenschaft erzielt, dann braucht er eben etwas neues, um den gewünschten Effekt auf die Politik zu erzielen.  

 

In dieser "post-normalen" Forschung müssen Wissenschaftler - und Politiker - „(normale) Wahrheit gegen Einfluss eintauschen". Genau das hat Al Gore auch gesagt, als er zugab, die Gefahren des Klimawandels übertrieben zu haben. Es sagte, es sei „angemessen, eine überzogene Darstellung der Faktenlage zu haben", um die Zuschauer seinen Films neuen Ideen zu öffnen. Einer der Großväter der Klimahysterie hat diese Taktik bereits Jahre zuvor vorgeschlagen, als er 1989 sagte: „Wir müssen Schreckensszenarien bieten, vereinfachte, dramatische Aussagen machen und nur selten unsere Zweifel erwähnen." Diese Verzerrung der Fakten nennt er eine „gute Mitte" zwischen „Effektivität und Ehrlichkeit. Alle drei Männer geben zu, es sei in Ordnung, die Wahrheit zu verzerren, um politischen Einfluss - also Macht - zu gewinnen.  

 

Die Prominenz der Verfechter der menschengemachten Erderwärmung finden also, sie müssten entweder Forschungsergebnisse verzerren, Fakten übertreiben oder das normale, wissenschaftliche Vorgehen aufgeben, um ihre politischen Ziele zu verwirklichen. Laut Hulme ist Wissenschaft „behelfsmäßiges Wissen", das „durch seinen Kontakt mit der Gesellschaft verändert werden kann." Er behauptet, Forschungsergebnisse seien „offen für Veränderung, wenn sie an der Gesellschaft entlangschrammten".  

 

Wie bitte? Wissenschaft gründet sich auf tatsächliche Begebenheiten und nicht auf gesellschaftliche Sichtweisen, Ideen oder politische Meinungen. Man nimmt nicht Meinungsumfragen her, um die Fakten zu ermitteln. Meinungen ändern diese nicht. Pasteur hatte Recht, auch wenn die öffentliche Meinung gegen ihn war. Der Blitzableiter von Franklin funktionierte, auch wenn die Kirche dagegen predigte.  

 

Hulme gibt zu, die Theorie von der menschengemachten Erderwärmung habe jede Menge Schwachstellen, sagt aber, die Umstände verlangten es, zu handeln, bevor wie die Fakten kennen - die dann aber anscheinend eine Art gesellschaftliches Konstrukt sind. Seine „post-normale" Forschung soll immer da angewandt werden, wo „es um sehr viel geht, die Unsicherheiten hoch sind und die Entscheidungen drängen." Bei dieser Art von „Wissenschaft", so sagt er, sei es on großer Bedeutung, wer „das Ohr der Politik habe", wer also die politische Agenda setze.  

 

Nur welche Agenda? Er beschreibt das als „Vertrauen wir der Technik; glauben wir an den Vorrang kollektiver Handlungen vor privatem Tun; glauben wir daran, dass wir in Zeit und Raum verborgenen Menschen verpflichtet sind?" Und das Problem mit „normaler" Wissenschaft, so Hulme, sei, dass „sie annehme, sie könne erst die Wahrheit finden, dann diese an die Mächtigen weitergeben und dann werde die Breitenpolitik schon folgen." Er sieht das als fehlerhaft an, weil es „Werte, Perspektiven und politische Ränkespiele" übersehe. Das bedeutet, die „Wissenschaft müsse von der Bühne genommen werden." Wir sollen uns also von ihr weg hin zu den politischen Ränkespielen orientieren.  

 

Es gibt also eine vorsätzliche Vertauschung von Wissenschaft und Politik. Das Geständnis eines der führenden Warner des Klimawandels bestätigt das. Für Hulme ist der „Klimawandel viel zu wichtig, um den Wissenschaftlern überlassen zu werden – zumindest den normalen.“ Statt dessen kommt er den Politikern zu, die eine gemeinsame Werteordnung teilen, so wie den Vorzug von „Kollektivhandlungen“ über Einzelinitiativen. Und dazu braucht es Überdehnung der Tatsachen, das Darstellen von Schreckensszenarien und das Beiseitelassen großer Unsicherheiten. Und das ist keine Anklage gegen sie, sondern ein Geständnis von ihnen.  

 

Übersetzung: Matthias Bosbach  

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Frédéric Bastiat (1801-1850)

"Law cannot organize labor and industry without organizing injustice."

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