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29.08.2007

Therapieversagen - IUF Kommentar 18/2007

Sascha Tamm - IUF

Die weltweiten Finanzmärkte funktionieren nicht! Sie müssen also reguliert werden, mehr Transparenz muss per Gesetz hergestellt werden, kurzfristig muss Liquidität zur Verfügung gestellt werden, von der Pleite bedrohte Banken müssen gerettet werden - besonders wenn es sich um öffentliche Unternehmen handelt. Man konnte vorausahnen, was im Anschluss an die Abwärtsbewegungen der letzten Wochen an den Weltbörsen folgt. Doch warum sind eigentlich Abwärtsbewegungen ein Zeichen für „Marktversagen" (was immer das sein mag)? Warum nicht der Aufwärtstrend davor, der immerhin einige Jahre anhielt?  

 

Die Intransparenz verschiedener Finanzderivate sei die Ursache für die Turbulenzen, so wird behauptet. Die Anleger können die Risikostruktur gar nicht mehr durchschauen, sie wussten gar nicht, welche Risiken einige Banken in ihren Büchern hatten. Außerdem hätten die Ratingagenturen versagt (und müssen auch irgendwie reguliert werden, wie Minister Steinbrück meint). Vielleicht haben die Ratingagenturen tatsächlich versagt, vielleicht haben viele Banken und Fonds zu riskant investiert. Wenn es also jetzt großes Misstrauen gegenüber Bankaktien gibt, so ist das nur gesund. Es spricht gerade dafür, dass die Märkte funktionieren. Wenn in den USA Banken und Fonds vom Markt verschwinden, die sich gründlich verkalkuliert haben, so ist das ebenfalls ein ganz normaler Prozess.  

 

Viel gefährlicher als die Pleite von einigen Banken und sinkende Aktienkurse sind die Therapien, die dagegen angewandt werden oder geplant werden. Da wären zunächst einmal die Liquiditätsspritzen in Milliardenhöhe, die die Zentralbanken als Kredite zur Verfügung stellten. Sie nähren die Illusion, dass die Geldmenge und die Zinsen Stellschrauben seien, an denen Zentralbanken einfach so drehen können, um wirtschaftliche Problem zu lösen. Das hat leider viel zu lange scheinbar funktioniert - und letztlich zur Kreditblase in den USA und anderswo beigetragen. Das dahinter stehende Grundproblem ist das staatliche Geldmonopol.  

 

Die Rettung von Banken und Fonds, die sich verspekuliert haben, ist kontraproduktiv und heizt Spekulationen auf Kosten Dritter an. Wenn immer ein Retter bereitsteht, kann man fast jedes Risiko eingehen. Das Bankrottrisiko ist dagegen die beste Risikovorsorge.  

 

Und eines ist klar: Der notwendigerweise extrem kurzsichtige Staat und seine Bürokratien sind denkbar ungeeignet, Risiken richtig abzuschätzen. Bei ihren Fehlspekulationen (von der Rente bis zu staatlichen Investitionen) gibt es immer einen Retter: den Bürger. Deshalb ist die Lernkurve von Staaten noch flacher als die von privaten und institutionellen Anlegern.  

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ZITATE

Friedrich August von Hayek (1899-1992)

"Economic control is not merely control of a sector of human life, which can be separated from the rest; it is the control of the means for all our ends. And whoever has control of the means must also determine which ends are to be served, which values are to be rated higher and which lower, in short, what men should believe and strive for."

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