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30.01.2006

5 Prozent für alle - IUF comment 01 / 2006

Mit dem Jahreswechsel beginnt das Ritual der Tarifverhandlungen. Am lautesten sind wie immer die Vertreter der Beschäftigten im öffentlichen Dienst, die ihre Privilegien mit aller Macht verteidigen wollen. Dazu muss nicht viel gesagt werden: Tarifverträge werden hier auf Kosten derjenigen, die einen Arbeitsplatz suchen und natürlich auf Kosten der Steuerzahler geschlossen. Allerdings spielen die Bundesländer nicht wie gewohnt mit, und so kommt es vielleicht dort zum Streik. Allerdings verliert ver.di bei den immer klammeren öffentlichen Haushalten glücklicherweise viel von seinem Erpressungspotential.  

 

Die Logik der Tarifverhandlungen in der (mehr oder weniger) freien Wirtschaft ist langfristig noch gefährlicher. Die Argumente beispielsweise der IG Metall erscheinen auf den ersten Blick wenigstens teilweise einleuchtend: die Lohnforderung ergibt sich aus dem Produktivitätswachstum in der Metallindustrie von ca. 5 Prozent. Tatsächlich sind viele Unternehmen der Branche in der Gewinnzone und können eine derartige Lohnerhöhung verschmerzen. Anreize zur Schaffung neuer Arbeitsplätze gibt es allerdings nicht.  

 

Das entscheidende Problem ist allerdings, dass ungefähr ein Viertel der Unternehmen rote Zahlen schreibt. Sie werden von einem derartigen Abschluss zu Entlassungen gezwungen und im schlimmsten Fall in die Pleite getrieben. Abschlüsse, die auf aggregierten Größen beruhen, lassen die Realität der vielen Einzelfälle außer Acht. Sie helfen weder den Beschäftigten in Unternehmen, die sich in Schwierigkeiten befinden (Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre Jobs verlieren, steigt) noch denjenigen in momentan erfolgreichen Unternehmen (Sie könnten auch auf betrieblicher Ebene ähnliche Lohnerhöhung aushandeln).  

 

Es ungerecht, die Schuld am Unsinn der Tarifverträge nur den Gewerkschaften zu geben, wie es oft geschieht. Das Tarifmonopol ist der wesentliche Teil der Machtbasis der Gewerkschaftsfunktionäre, aber auch der Unternehmerverbände. Es ist außerdem ein - unfaires - Wettbewerbsinstrument vor allem für große Unternehmen.  

 

Schließlich ist es gleichzeitig Teil des korporatistischen Gesellschaftsmodells, das wir in Deutschland viel zu langsam abschütteln und das - ganz im Gegensatz zu seiner Rhetorik - Regelungen hervorbringt, bei denen die Stärkeren und Mächtigeren alle anderen ihrer Chancen im Wettbewerb berauben.  

 

Sascha Tamm, Institut für Unternehmerische Freiheit  

 

Der IUF comment erscheint regelmäßig als Stimme der Freiheit. Über Kommentare zum Kommentar freuen wir uns!  

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Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

"Wenn der Staat ein Privatmann wäre, käme er aus dem Gefängnis nicht mehr heraus."

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