home mail print index imprint

06.02.2006

Vorsicht vor Magiern! - IUF comment 02 / 2006

Ein in den Vereinigten Staaten und darüber hinaus allseits gefeierter Mann ist in der letzten Woche abgetreten: Alan Greenspan. Er habe, so der Tenor der Kommentare, die US-Wirtschaft durch schwere Zeiten geführt, die Inflation unter Kontrolle gehalten und zumeist die richtigen Entscheidungen getroffen. Und das geschah weitgehend als Alleinunterhalter, durch Drehen an der Zinsschraube und öffentliche Äußerungen, die oft viele Interpretationen zuließen. Von vielen wird er als geradezu als Magier angesehen, dessen Instinkt ihm den richtigen Weg gewiesen hat. Viele Anhänger der Marktwirtschaft schätzen ihn gleichzeitig aufgrund seiner Rhetorik, die immer gegen staatliches Eingreifen in die Wirtschaft gerichtet war.  

 

Doch ist sein eigenes Handeln, ist seine Position an den Stellschrauben der Versorgung der Wirtschaft mit Geld überhaupt mit der Marktwirtschaft vereinbar? Ist ein staatliches Monopol, das nach teilweise undurchschaubaren Regeln gehandhabt wird, wirklich zu rechtfertigen? Das Geldmonopol ist schon so sehr zu einer Selbstverständlichkeit geworden, dass es kaum noch kritisiert wird. Immerhin ist es in den letzten Jahrzehnten gelungen, die Inflation zu begrenzen - wenigstens in einigen Ländern.  

 

Man könnte also sagen, der Erfolg rechtfertige die Mittel. Doch was heißt in diesem Zusammenhang Erfolg? In welchen Zeiträumen wird er gemessen? Ob die amerikanische oder die europäische Geldpolitik tatsächlich Erfolgsmodelle sind, wird sich erst in der Zukunft zeigen. Wir kennen weder die „ideale“ Inflationsrate noch die ideale Geldmenge genau, die von der staatlichen Notenbank „einzustellen“ ist.  

 

Die Methode, eine wirklich stabile Währung zu schaffen, klingt so aus heutiger Sicht fast absurd und ist jedenfalls weit außerhalb der Reichweite des politisch Machbaren: Währungswettbewerb zwischen privaten Geldanbietern - z.B. dargestellt von F.A. v. Hayek in „Die Entnationalisierung des Geldes“.  

 

So müssen wir uns in absehbarer Zukunft wohl mit der Verbesserung des Umgangs mit dem staatlichen Monopol begnügen. Die von Greenspans Nachfolger angekündigte größere Transparenz in den Entscheidungen der Fed könnte ein Fortschritt sein. Magier als Verwalter von Monopolen haben in einer Marktwirtschaft jedenfalls keinen Platz. Das mindeste, was wir erwarten können, sind klare und dauerhafte Kriterien, an denen das Handeln der Monopolisten ausgerichtet wird.  

 

Sascha Tamm, Institut für Unternehmerische Freiheit  

 

Der IUF comment erscheint regelmäßig als Stimme der Freiheit. Über Kommentare zum Kommentar freuen wir uns!  

SPONSORING
NEWSLETTER

Ja, ich möchte aktuelle Meldungen vom Institut für Unternehmerische Freiheit:

ZITATE

Friedrich August von Hayek (1899-1992)

"If we wish to preserve a free society, it is essential that we recognize that the desirability of a particular object is not sufficient justification for the use of coercion"

Stipendien für begabte Leute
iuf top