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21.02.2006

Eigennutz - IUF comment 04 / 2006

In der letzten Woche stieß mir eine Formulierung aus einem älteren Urteil des Bundesgerichtshofes auf, die jüngst wieder zitiert wurde. Das Verbot von Erfolgshonoraren für Rechtsanwälte wird dort u.a. damit gerechtfertigt, dass vermieden werden müsse, dass der Rechtsanwalt „der aus einer allgemeinen menschlichen Schwäche entspringenden Eigensucht“ unterliege.

Hier soll es gar nicht um Sinn und Unsinn dieses Verbots gehen - mit dem Deutschland übrigens ganz schön allein dasteht.  

 

Ersetzen wir einmal das Wort „Eigensucht“ (eine Sucht ist von vornherein negativ besetzt und an dieser Stelle nur ein rhetorisches Mittel) durch „Eigennutz“, dann wird die Idee klarer, die noch in vielen Köpfen herumspukt: der Eigennutz sei etwas, dessen man sich schämen müsse, das unterdrückt und bekämpft werden müsse. Eine Gesellschaft beruhe stattdessen vor allem auf Uneigennützigkeit und Altruismus.  

 

Diese Auffassung ist eine gefährliche Verdrehung der Mechanismen, die die westlichen Gesellschaften so wohlhabend und stabil gemacht haben. Dass wir anstreben, den eigenen Nutzen zu maximieren, ist ein direktes Resultat der Verantwortung, die Menschen in freien Gesellschaften für sich und für andere übernehmen. Der Eigennutz ist die Grundlage für Wettbewerb und für Solidarität gleichermaßen. Wir können anderen nur helfen, wenn wir die Ressourcen dafür erarbeitet haben. Er ist die Grundlage dafür, dass wir überhaupt die materiellen Voraussetzungen für unser Leben schaffen und weiterentwickeln können.  

 

Nicht nur der Eigennutz hat in Deutschland einen ganz schlechten Ruf - auch das Eigentum. Das hat es sogar bis in Artikel 14 des Grundgesetzes geschafft - sein „Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“. Dieser Satz gehört zu den am meisten strapazierten des gesamten Grundgesetzes. Erstaunlich ist hier, wie genau diejenigen, die im Namen des Wohles der Allgemeinheit alles Mögliche von den Eigentümern fordern, überhaupt wissen, worin dieses Wohl besteht. Oft zeigt sich, dass Entscheidungen, die mit dem „Gemeinwohl“ gerechtfertigt werden, genau die Eigenschaften haben, die man dem „Eigennutz“ oft zuschreibt: Sie sind kurzfristig ausgerichtet, bevorteilen wenige auf Kosten der anderen etc.  

 

So sind die wirklichen menschlichen Schwächen, die unsere Gesellschaft gefährden, nicht der Eigennutz oder die Eigensucht, sondern die Verantwortungslosigkeit und das Vertrauen in eine diffuse Gesellschaft oder den Staat, die unsere Probleme schon lösen werden.  

 

Sascha Tamm, Institut für Unternehmerische Freiheit  

 

Der IUF comment erscheint regelmäßig als Stimme der Freiheit. Über Kommentare zum Kommentar freuen wir uns!  

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Thomas Jefferson (1743-1826)

"It is not by the consolidation, or concentration of powers, but by their distribution, that good government is effected"

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