Alexander Rüstow schuf mit seiner Rede „Freie Wirtschaft - freier Staat" vor fast genau 75 Jahren eines der beiden Gründungsdokumente des Neoliberalismus.
Inmitten der bürgerkriegsähnlichen Kämpfe der nationalen Sozialisten warb Rüstow 1932 für eine menschenwürdige Ordnung. In der Istanbuler Emigration arbeitete er an der Erneuerung des diskreditierten Liberalismus und schuf mit seiner dreibändigen „Ortsbestimmung der Gegenwart" dessen geistesgeschichtlichen Überbau. Als Vorsitzender des Think Tanks „Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft" beeinflusste er direkt die neoliberale Grundlage des Wirtschaftswunders, eine durch den Wettbewerb gesteuerte Marktwirtschaft. Zugleich warb er für eine Verbesserung der Vitalsituation, d.h. der Mensch lebt in Einklang mit sich selbst und seiner Umgebung, der Gemeinschaft und der Natur. Stets trieb ihn die Idee der Menschlichkeit an. Heute ist der Universalgelehrte und große Freiheitsdenker zu Unrecht weitgehend in Vergessenheit geraten. Welche Lehren können wir aus seinem Leben und Werk für eine freie Gesellschaft heute ziehen?